Die nachfolgende Arbeit veröffentlichte ich 1993 in Zürich im Eigendruck mit sehr kleiner Auflage. Der Vertrieb erfolgte über Kleinanzeigen. Als mein Vorrat aufgebraucht war, aber weiterhin Nachfragen nach der Arbeit kamen, entschied ich mich, den Text fürs Internet aufzubereiten, was besonders für die in den Text eingestreuten Horoskope und "Specula" (Tabellen mit den Himmelskoordinaten der Planeten) einigen Aufwand bedeutete. Den Text selbst habe ich jedoch praktisch unverändert gelassen.
heißt es in der berühmten Schrift Über die Würde des Menschen von Pico della Mirandola. Wollte man ein Porträt der Renaissancezeit erstellen, so wäre dieser Satz gewiß Leitmotiv. Es ist die Renaissance, in der die Menschen beginnen, auf sich selbst aufmerksam zu werden, die ganze Fülle möglicher Selbstverwirklichungen zu schätzen, ihre Taten und Leiden zu betrachten, ihre Höhen und Tiefen auszuloten, ihre Fähigkeiten bis an die Grenzen zu erproben. In Italien, von wo diese Aufbruchsstimmung ihren Ausgang nimmt, erleben Kunst und Philosophie eine unerreichte Blütezeit. Die neue Stellung des Menschen wirkt sich in allen Lebensbereichen aus. Die Zeit der Biographien, vor allem der Autobiographien beginnt. Noch heute ist die von Goethe übersetzte Autobiographie des Goldschmiedes Benvenuto Cellini weithin bekannt. Es spricht für die Allgemeinheit des neuen Lebensgefühls, daß selbst Steuererklärungen und Grundbucheinträge dazu genutzt wurden, der Nachwelt ein Zeugnis von sich zu hinterlassen (1).
Im Geistesleben gewannen der Platonismus, die Neuplatoniker Plotin und Proklos, aber auch hermetische und magische Autoren gegenüber dem kirchlicherseits favorisierten Aristoteles an Boden. Natürlich war es seit dem Eindringen der Araber den Europäern wieder bewußt geworden, daß es auf griechischem Boden einmal eine Hochkultur gegeben hatte – aber die Zeugnisse, die die Araber von dieser Epoche brachten, waren nur sehr begrenzt. Es mußten erst verschiedene glückliche Faktoren zusammenwirken, bis jene Griechenlandbegeisterung aufkam, von der die Renaissance ihren Namen trägt (der Maler Vasari glaubte, die rinascita des griechischen Geistes zu erleben).
Zu diesen glücklichen Faktoren gehören neben materiellen – der mit der "ursprünglichen Akkumulation" beginnende Kapitalismus mit seinen Banken und Handelshäusern unterwanderte nach und nach das mittelalterliche Feudalsystem, so daß die reichgewordenen Herrscherdynastien der italienischen Stadtstaaten sich als Mäzene betätigen konnten – auch kirchengeschichtliche. Die Kirche, durch das Schisma geschwächt, hatte an Kontroll- und Einflußmöglichkeiten auf die Intelligenz verloren. Der erfolglose Einigungsversuch von West- und Ostkirche auf dem Konzil zu Ferrara (1439-1445) wurde ungewollt zu einem Initialereignis der Renaissancephilosophie: Mit der griechischen Delegation war der Gelehrte Georgios Gemistos angereist, ein leidenschaftlicher Platoniker und zugleich griechischer Patriot. Er nannte sich Plethon – wegen der Ähnlichkeit des Namens mit seinem großen Vorbild. Plethon hatte eigentlich den Boden des Christentums längst verlassen, ja er hielt das Christentum für schuldig am geistigen Verfall seines Heimatlandes. Seine begeisterten Vorträge über die platonische Philosophie zogen die Zuhörer in ihren Bann, darunter auch Cosimo "den Alten", den ersten großen Medici, Stadtfürsten von Florenz. Unter dem Eindruck von Plethons Vorträgen wagte Cosimo die Neugründung der berühmten Platonische Akademie (die im Jahre 529 n.Chr. geschlossen worden war) und beauftragte Marsilio Ficino mit der Herausgabe der klassischen platonischen Schriften. Eine Folge dieses Dialogs mit der Ostkirche war also ein neues Bekanntwerden mit dem Geist des alten Griechenlands, insbesondere mit dem Platonismus.
Auch die Astrologie profitierte von dieser Entwicklung und erlebte im 16. Jahrhundert ihre letzte große Blütezeit. Welche Wissenschaft – und damals gehörte die Astrologie noch in den Kreis der Wissenschaften - entsprach besser dem Renaissance-Ideal des homo universalis, des mit sich und dem Kosmos in Harmonie befindlichen, umfassend (aus)gebildeten Menschen? Gerade die Astrologie lehrt uns, auf den Menschen zu blicken, seine Fähigkeiten und seine Biographie zu untersuchen und die verborgene Harmonie, die etwa in einem Lebenslauf waltet, ans Licht zu bringen. Sie zeigt uns par excellence, was für ein "großes Wunder der Mensch" ist. Jeder, der sich mit der Astrologie beschäftigt, kennt die hohe Bedeutung der Individualität in diesem System: Wie sich keine zwei Radixhoroskope gleichen, so spiegelt die Astrologie die ganze Bandbreite des Menschlichen wider. Heilige, Scharlatane, Verbrecher, Lüstlinge, Vollidioten, Gelehrte, etc. – für den Astrologen haben sie als Studienmaterial alle den gleichen Wert. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Beispiel für das Ausleben der astralen Tendenzen, die in seinem Horoskop angelegt sind. Den Menschen der Renaissance muß dies darin bestärkt haben, seine Fähigkeiten und Neigungen nach besten Kräften auszuleben: zeigt doch das Horoskop, daß die Persönlichkeit kosmisch geplant und gewollt ist. So hat der Mensch durch sein Kostbarstes, durch seine Individualität, Anteil am Kosmos. Die Kunst der Sterndeutung kam somit den Bedürfnissen des Renaissancemenschen auf das glücklichste entgegen.
Es ist klar, daß ein solches Astrologieverständnis neu war und sich sehr von dem der Araber unterschied, die im Ganzen eine deterministische, orakelnde Sternkunde bevorzugten. Da es nicht "den" Renaissancemenschen gibt, finden wir natürlich auch in dieser Epoche abergläubische Gemüter, die eine ganz andere Erwartung von der Astrologie haben. Ein Beispiel dafür ist Ludovica Sforza (1452-1508), der Herzog von Mailand, der wegen seiner dunklen Hautfarbe den Beinamen "il Moro" erhielt. Wie viele andere Machthaber hielt er sich Tagewähler, die ihm Tag und Stunde einer jeden Unternehmung so berechneten, daß der Himmel ihnen günstig war. Bei Ludovico geschah dies allerdings in einer derartig lächerlichen Weise, daß der Fürst gezwungen war, während des größten Unwetters zu Pferde zu steigen und auf schlechten Wegen dahinzureiten, nicht anders als müßte er den Händen der Feinde entkommen.(2) Aus der Distanz erkennen wir natürlich das Lächerliche solcher "Elektionen" – mit denen auch die günstigsten Zeitpunkte zum Haareschneiden, zum Aderlaß, zum Einkauf und für Verhandlungen, ja zum Geschlechtsverkehr berechnet wurden – an ihrem Widerspruch zum gesunden Menschenverstand: Hier wird die Bedeutung der Astrologie, ausgehend von einem kausalen Verständnis derselben, überschätzt, und, statt ein authentisches Leben zu führen, läßt man es sich von den Konstellationen diktieren, fühlt sich gleichsam als Sklave der Sternenmächte. Eine solche, dem Renaissancegeist zuwiderlaufende Haltung mußte einen Pico della Mirandola auf den Plan rufen, der übrigens auch ein Schüler an der erwähnten Platonischen Akademie war.
Heißt es doch in der Rede Über die Würde des Menschen: "Nichts Größeres gibt es auf Erden als den Menschen, nichts Größeres im Menschen als dessen Geist und Seele, die sich über alle himmlischen und irdischen Einflüße erheben können und keine Sternenknechtschaft dulden. Aller Fortschritt in Kultur und Technik ist ein Werk des freischaffenden Geistes und keineswegs von kosmischen Einflüssen abhängig." In seinem Werk Disputus adversus astrologos
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Trotzdem muß natürlich eingestanden werden, daß die Schrift des Pico ihre Wirkung hatte. Sie zeigte, daß die Astrologie keineswegs von allen Gelehrten als Wissenschaft akzeptiert wurde. Von Braunsperger (2a) ist bemerkt worden, daß die Astrologie eigentlich durchaus in das neuplatonisch-mystische Weltbild des Pico (das wir astrologisch an Neptun in I ablesen) hereingepaßt hätte. So hatte Ficino, der ihm geistesverwandt war, die Astrologie in seine Philosophie integriert. Es gibt verschiedene Erklärungen für Picos Schrift: Er stand in Florenz unter dem Einfluß seines Studienfreundes Girolamo Savonarola, eines leidenschaftlichen Bußpredigers, der die Astrologie aufs heftigste bekämpfte. Möglicherweise gab Savonarola den Impuls zu Picos Schrift. Eine andere Erklärung ist diese: Pico habe sein Buch geschrieben, weil er darüber aufgebracht war, daß ihm drei Astrologen den vorzeitigen Tod prophezeiten, (3) gleichsam um sich zu versichern, daß von derartigen Prognosen nichts zu halten ist und damit seine Angst zu bekämpfen.(Der Skorpionmars bei Spitze II und damit Opposition Spitze VIII würde diese Hypothese stützen.)
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Wir wollen uns im folgenden mit dem Leben dieses Mannes befassen und die Stationen seines Lebens zum Anlaß nehmen, uns in einige Figuren der italienischen Renaissance zu vertiefen. Dabei sollen Charaktere und Lebensläufe unter Einschluß der Astrologie betrachtet werden.
Lucas Gauricus wurde am 12.3.1475 julianischen Stils (5) in Giffoni (40°43' N, 14°56' E) bei Neapel geboren, weshalb er sich später Geophonensis nannte. Ironie des Schicksals: Der Vater des Astrologen hatte es versäumt, seine Geburtszeit zu notieren, so daß dieser sein eigenes Horoskop nicht kannte! (6) Aber schon die Tageskonstellationen sind aufschlußreich: Die Sonne im ersten Grad des Tierkreises in einer weiten Konjunktion mit Mars zeugt von dem Arbeitseifer, mit dem er sich in seine Disziplin hineinbiß. Der Mond steht im Anfang der Zwillinge bei dem Fixstern Aldebaran.
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Pomponazzi glaubt, daß das unterste Glied aller Kausalketten, die erste wahrnehmbare Ursache allen Erdengeschehens im Sternenlauf zu finden ist. Auch die Einwirkung Gottes erfolgt nie direkt, sondern stets durch das Medium der Himmelskörper. Ernst Cassirer beschreibt die Rolle der Astrologie in Pomponazzis System sehr treffend: Die astrologische Kausalität gelte bei ihm als Bedingung der Begreiflichkeit der Natur (9). In der Schrift De immortalitate animae bemüht er sich, eine Ethik ohne das Unsterblichkeitspostulat aufzubauen - bei ihm gibt es nur noch den "Duft der Unsterblichkeit". Im Unterschied zum Averröismus wird die Seele vollständig als Korrelat des physischen Leibes aufgefaßt - worin er noch konsequenter ist als Averröes, der wenigstens noch "höhere" von "niedrigen" leiblich-seelischen Funktionen unterscheidet. Alle Unsterblichkeitsbeweise, die von der unabhängigen Existenz einer Ideenwelt etc. sprechen, seien logisch falsch - denn Ideen könnten nur durch das an den physischen Leib gebundene Denken begriffen werden, mit dessen Ende sie wegfallen. Verständlich, daß zornige Mönche seine Schriften dem Feuer übergaben. Seine Philosophie aber konnten sie nicht vernichten, und viele seiner Ideen sind noch heute im Schwange.
Hören wir die Beschreibung, die Gauricus dem Horoskop des Pomponazzi beifügt:
Perectus Mantuanus magnus philosophus
Er war von kleinem Wuchs, gewissermaßen ein Zwergen-Menschlein ( homuntio quodammodo nanus), was aus der Stellung von Merkur und Sonne in der Himmelstiefe folgt. Er hatte ein schönes Antlitz, einen großen Kopf und pflegte ein Stirnband zu tragen ( gestabat infulam in occipiti capitis vergente). Er war freundlich, umgänglich, ein hervorragender Philosoph. Er hatte einen Lehrstuhl an der Universität Padua, sein Gegner war Antonius Fracanzanus. Später war er Gegner von Achillinus und Augustinus Suevanus, gegen letzteren er zwei Bücher über die Unsterblichkeit verfaßte. Er war dreimal verheiratet, was Lucas Gauricus ihm vorhergesagt hatte. Er selbst bedauerte es oft, nun das dritte Mal verheiratet zu sein und nur eine einzige Tochter zu haben - ihre Mitgift belief sich auf 12.000 Dukaten. Er starb an Altersschwäche.
Der letzte Satz war nicht selbstverständlich - man hätte bei seiner unchristlichen Philosophie auch ein Ende als "Röstkastanie" erwarten können. (10)
Sonne und Mond behindern sich in diesem Horoskop durch ein Quadrat, so wie bei Pomponazzi die Hinwendung zu den Alten (Mond in Krebs) mit seinem Bestreben, ein universelles, ausgleichendes Weltgesetz, die Einordnung des Menschen in die natürliche Harmonie zu finden (Sonne in Waage) im Streit stand. Wir finden eine Konjunktion von Venus und Mars im II. Haus. Hier ist Mars Herr von V, Venus von IV. Möglicherweise hat sich diese schwierig zu deutende Konjunktion bei Pomponazzi ganz im klassischen Sinne in seiner Beziehung zum anderen Geschlecht gezeigt. Der rückläufige Saturn in VII mag dem Gauricus Anlaß zu seiner Prognose gegeben haben (wenigstens deutet er Behinderungen im Eheleben an - wie er auf die drei Eheschlüsse kam, bleibt sein Geheimnis).
Die Sonne empfängt ein Trigon Saturn. Die Aspekte von Sonne und Saturn wurden von Thomas Ring zu dem Oberbegriff Freiheit und Zwangslauf kombiniert: Der freie Entwurf bedarf der Erfahrenheit, um sich im Notwendigen und Gesetzmäßigen zu manifestieren (11). Ein solcher Aspekt wird vom Philosophen Pomponazzi natürlich in geistiger Weise ausgelebt: In seiner Philosophie bringt er gerade diesen Gegensatz von Freiheit und Zwangslauf zu einer für ihn befriedigenden Synthese. In seiner Schrift De fato, libero arbitrio et de praedestinatione (1520) kommt er zu dem Ergebnis, daß das göttliche Vorherwissen mit der Freiheit der menschlichen Handlungen in keinem notwendigen Widerspruch steht. Denn wenn Gott die zukünftigen Handlungen kennt, so kennt er sie doch nicht aus ihren Gründen heraus, sondern er kennt sie nach ihrer einfachen Faktizität, nach ihrem bloßen "Daß". Wenn der Mensch Vergangenes und Gegenwärtiges nach seinem "Daß", Zukünftiges dagegen immer nur gemäß seinem Wissen um das "Warum" zu erfassen vermag, weil eben die Zukunft ihm nicht unmittelbar gegeben, sondern nur aus ihren Ursachen erschließbar ist: so gilt diese Differenz eines unmittelbaren und mittelbaren, eines gegebenen und erschlossenen Wissens nicht für die göttliche Erkenntnis. Denn diese ist eben dadurch charakterisiert, daß in ihr die Unterschiede der Zeitform, die für unser Begreifen der Welt wesentlich sind, verschwinden: Daß das Wissen des Künftigen also keiner Vermittlung, keines diskursiven Durchlaufens der Bedingungen, kraft deren es eintreten wird, bedarf (12).
Pomponazzi löst also den Gegensatz von Freiheit und Notwendigkeit auf, indem er die unterschiedliche Organisation des menschlichen und des göttlichen Geistes betont, die die Dinge auf verschiedene Weisen auffassen, so daß dieselbe Welt dem Menschen von Zufall und Freiheit, dem Gotte aber von Gesetz und Notwendigkeit beherrscht scheint. Wir erkennen heute natürlich schnell den Haken an einer solchen Erklärung: Sie schreibt nämlich dem Gotte vor, die Welt auf eine bestimmte Art zu erfassen und erkauft somit die Lösung des obigen Gegensatzes durch die Beschneidung der göttlichen Allmacht.
Es ist mir nicht bekannt, ob Gauricus sich dem radikalen System seines Lehrers angeschlossen hat - er war eher ein Mann der Praxis und scheint sich wenig um Philosophie gekümmert zu haben. Es ist aber möglich, daß er gerade diese Einstellung von Pomponazzi übernommen hat: Dieser kritisierte nämlich ein "Über-die-Welt-hinweg-Philosophieren" und stellte im Sinne eines naiven Realismus das Faktische, das was wirklich der Fall ist, an den Anfang seiner Philosophie. Die Zeit, da man sich tiefsinnige Gedanken über die theoretischen Grundlagen der Astrologie machte, ohne sie deterministisch aufzufassen, hat wohl erst hundert Jahre später mit Kepler begonnen.
Die Anfänge der Anatomie - Alexander Achillinus
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Vor dem Abschluß seiner Studien mit dem Titel Doctor Artium (1502) hatte Gauricus bereits einen prognostischen Kalender auf das Jahr 1502 verfaßt. Diese Kalender, von denen er in der Folge weitere veröffentlichte, machten ihn wegen seiner zutreffenden Prognosen schnell bekannt. Zum Teil ist diese schnelle Bekanntheit auch auf die Lobschrift seines Schülers Gian Luigi de Rossi zurückzuführen, worin er über die eingetroffenen Vorhersagen des Kalenders 1503 berichtete. Die bedeutendste darunter, den Gifttod das Borgiapapstes Alexander VI., schreibt er dem Gauricus nicht ganz wahrheitsgemäß zu: Im Kalender hieß es zwar vel ingloriosus iacebit, vel pestifera ac violenta morte peribit, die Prognose bezog sich aber nicht auf den Papst, sondern auf seinen macht- und kriegshungrigen Sohn Cesare Borgia, dessen Raubzüge gegen die Stadtstaaten in ganz Italien mit Schrecken und vielleicht auch mit heimlicher Bewunderung verfolgt wurden. Machiavelli (1469-1527), Gelehrter und Sekretär des Florentiner Rates, nahm sich später den Cesare Borgia zum Vorbild für seine in üblem Ruf stehende Schrift Il Principe (sie gilt als Bettlektüre für Karrieristen und Erfolgshungrige): Wer also lernen will, in seinem neu begründeten Fürstentum mit seinen Feinden fertig zu werden, sich Freunde zu verschaffen, durch Gewalt oder List den Sieg zu erringen, die Liebe und den Respekt seiner Untertanen zu gewinnen, alle zu vernichten, die Macht oder Anlaß haben, ihm zu schaden, die alten Ordnungen umzuändern, streng und beliebt, großherzig und freigebig zu sein, ein treuloses Heer aufzulösen und ein neues zu schaffen, sich die Freundschaft von Königen oder Fürsten zu erhalten, so daß sie ihm bereitwillig dienen oder doch ungern schaden - der kann keine geeigneteren Beispiele finden als die Taten Cesare Borgias (13).
Wir sehen Mars Konjunktion Saturn in XI im Löwen in Opposition zu Jupiter. Uranus und Neptun bilden ein ungenaues Quadrat zu dieser Achse. Sonne in I in Waage schwächt die schädlichen Bedeutungen dieser Opposition etwas ab und weist auf Cesares diplomatisches Geschick, seine Fähigkeit zum Taktieren. Ob die Uhrzeit der Geburt und damit die Achsen richtig sind, kann bezweifelt werden. |
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Die Hauptachse im Leben des Papstes war demnach nicht die Opposition Saturn Opposition Pluto - wenngleich die von ihm erhaltenen Porträts eindeutig die Züge eines Saturniers aufweisen und er auf niedrigster Ebene diesen Aspekt durch sein Machtstreben, seine Gefühlskälte, seine Egozentrik und nicht zuletzt sein vorsichtiges politisches Taktieren mit den Mächten Europas realisierte. Als Hauptachse hat er sich Venus Konjunktion Mars Opposition Neptun, gebunden an die Stoff-Achse II-VIII gewählt. In diesem Komplex finden wir die im Sexuellen ausgelebte Triebenergie, das Streben nach materiellen Genüssen (Venus beherrscht V, Mars X). Die vier Kinder, die er mit der römischen Mätresse Vanozza di Catanai gezeugt hatte, wurden unter Mißbrauch seines Amtes legitimiert. Die Cattanai selbst, die im Falle eines bürgerlichen Lebens sicher seine Frau geworden wäre, wurde vor der Gesellschaft legitimiert, indem er sie mit dem begüterten Mailänder Giorgio di Croce verheiratete. Der Neptun an Spitze VIII gibt auch der Hypothese, der Papst sei vergiftet worden (wir sahen oben, daß Gian Luigi de Rossi dies mit Selbstverständlichkeit annahm), wieder eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die Art seines Todes ist unter Historikern bis heute nicht gesichert, doch gehen viele davon aus, daß er an Malaria gestorben ist (16). Der Tod des Papstes ereignete sich im Alter von 73,6 Jahren und steht mit den Direktionen ASC direkt Konjunktion Uranus (Bogen 72,9°), MC direkt Konjunktion Saturn (Bogen mit Breite: 69,2°) und MC convers Konjunktion Neptun (Bogen 72,1°) in Zusammenhang (die Geburtszeit ist noch nicht korrigiert).
Zu den negativen Auswirkungen von Saturn Opposition Pluto an der Horizontachse gehört sicher auch das schlechte Bild, das die Mitwelt und die Nachwelt sich von diesem Papst gemacht haben. Schon Zeitgenossen sahen in ihm den Antichrist oder den Teufel oder hielten ihn zumindest für besessen. Später kam den Reformatoren mit ihrem Anspruch, eine bessere Kirche bieten zu können, ein "sündiger" Papst sehr gelegen, und so wurde das Leben des Papstes um einige nicht immer nette Details ausgeschmückt, die den Mann noch unsympathischer machen sollten. So soll der Papst mit seiner Tochter Lucrezia Inzest begangen haben - eine Legende, deren Hintergrund inzwischen aufgeklärt ist (17). Als Beispiel einer Teufelslegende sei das Zeugnis des Markgrafen von Mantua zitiert, der kurz nach Alexanders Tod berichtet (18): Als der Papst krank darniederlag, begann er auf eine Art zu sprechen, die alle, die das Gesagte nicht verstanden, glauben ließ, er sei dem Wahn verfallen, obwohl er vollkommen bei Verstande war. Er schrie: "Ich komme schon, aber warte noch ein Weilchen!" Die, die in das Geheimnis eingeweiht sind, sagen, er habe im Konklave nach Innozenz' Tod einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und den Stuhl Petri mit seiner Seele erkauft. Unter anderem sei vereinbart worden, daß er zwölf Jahre den Heiligen Stuhl innehaben sollte, was mit einer Verspätung von vier Tagen auch zutraf... Als er starb, habe es im Innern des Körpers zu brodeln begonnen, und aus seinem Munde habe es geschäumt wie aus einem Kessel auf dem Feuer, so lange, bis er schließlich unter der Erde lag. Er sei so stark aufgequollen, daß er jede menschliche Form verloren und daß es am Leichnam keinen Unterschied mehr zwischen Länge und Breite gegeben habe (19). Jedenfalls zeugen solche Geschichten von der nicht gerade überschwenglichen Beliebtheit dieses Papstes. Astrologisch ist hier anzumerken, daß das Pontifikat begann, als ASCdirekt mit 29°20'Fische in die Halbdistanz Mond/Jupiter getreten war und andauerte, bis er den Uranus überschritt.
Kehren wir zurück zum Leben unseres Astrologen. Bald nach dem Abschluß seiner Studien hatte Gauricus in Padua einen Privatschüler, den Julio Bordone della Scala, der sich später den Namen Julius Caesar Scaligerus zulegte. Die Hinzufügung des Vornamens Caesar geschah auf Rat des Astrologen Paul von Middelburg, der ihm das Horoskop gestellt und daraus offenbar eine königliche Zukunft ersehen hatte. Leider habe ich auf dieses Horoskop keinen Zugriff. Nach Angaben seines ebenfalls nicht unbedeutenden Sohnes Joseph Justus Scaligerus (1540-1609), der eine Biographie seines Vaters verfaßte, ist dieser jedenfalls am 23. oder 24.4.1484 in Riva geboren. Eine horoskopische Studie dieses Mannes ist sicher interessant, denn er hatte ein reiches, bewegtes Leben. Er hat sich zeitweise als Mönch, als Soldat, als Gelehrter und als Leibarzt betätigt. Er schrieb die Exercitationum Exotericarum, ein viel gelesenes Werk, das eine Art Bestandsaufnahme der damaligen Naturkunde und Naturphilosophie enthielt. Auch Kepler hatte es gründlich studiert. Auf ihn geht auch das in der Astronomie übliche, nach ihm benannte Julianische Datum zurück, eine beim damals aus der Bibel errechneten Weltanfang am 1.1.4713 v.Chr. beginnende fortlaufende Tageszählung. Zur Umrechnung von Direktionsbögen in Ereignisdaten ist dieses Julianische Datum auch für die Astrologie ein praktisches Hilfsmittel. Scaligerus, der viel von seinem Lehrer hielt, war wohl der prominenteste Schüler des Gauricus.
Ein tragisches Opfer dieser Familie wurde der mantisch begabte Bartolomeo della Rocca, genannt Cocles (nach eigener Angabe am 19.3.1467 zur dritten Nachtstunde auf dem Meridian von Bologna geboren). Er ist bekannt durch sein Werk über Physiognomik und Chiromantik. Nur auf Drängen des Bentivogliosohnes Ermete hatte er diesem schließlich die Zukunft vorausgesagt, insbesondere daß er im Kampf fallen werde. Am 24.9.1504 wurde er ermordet aufgefunden, "von unbekannter Hand", schrieb Achillinus. Aber es war klar, daß eben jener Ermete Bentivoglio den Befehl zu diesem Mord gegeben hatte. Ob die Prophezeiung des Cocles wirklich eingetroffen ist, habe ich nicht herausgefunden. |
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Obwohl dieses unglückliche Ereignis noch nicht lange zurücklag, beging Gauricus die Unvorsichtigkeit, in aller öffentlichkeit eine Vorhersage für den Stadttyrannen zu machen: Dieser solle sich dem neuen Papst Julius unterwerfen, andernfalls würden er und sein Geschlecht aus Amt und Würden vertrieben. Man muß sagen, daß das eine plausible Prognose war: Der neue Papst war von seiner Mentalität eher ein Feldherr und sah seine Aufgabe in der militärischen Stärkung des Kirchenstaates durch Eroberungen. In sein Pontifikat fallen die Einnahme Perugias, Bolognas und der Romagna. Hören wir von Gauricus selbst den Gang der Ereignisse: Gauricus riet dem Tyrannen in einer gedruckten Vorhersage, sich dem Papst Julius II. zu Füßen zu werfen, andernfalls würden er selbst und sein ganzes Geschlecht aus der Stadt vertrieben, sein Palast aber dem Erdboden gleichgemacht werden. Der Tyrann, von Christoforo Pogio beraten, ließ dem Gauricus auf der Folter viermal die Arme ausrenken (iussit ut Gauricus quater brachiorum torturas experiretur). Vom fünften Tage an wurde der unglückliche Prognost ( vates) für 25 Tage in ein häßliches Gefängnis gesperrt - so wurde dem Bedauernswerten die Wahrheit zum Verhängnis. Wenig später vertrieb der Papst Julius II., mit einem Heer von Imola, einem anderen von Modena kommend, diese einzigartigen Tyrannen mitsamt ihrem Hofstaat, und ihr Palast wurde tatsächlich dem Erdboden gleichgemacht, wie allgemein bekannt ist.
Grundlage dieser Prognose war bestimmt die Direktion ASC direkt Quadrat Sonne, fällig im Jahre 1506, im Horoskop des Bentivoglio. Die Sonne steht in Konjunktion zu Mars und in Quadrat zu Saturn Uranus in VIII (bei Spitze IX), die wiederum eine gradgenaue Konjunktion bilden. Im Solar, das Gauricus auch zur Prognose verwendete, standen Mars und Saturn in Konjunktion in 13° bzw. 10°Löwe, der Mond sol. in ca. 10° Schütze aktivierte das radikale Quadrat Mars/ Quadrat Saturn.
Nach der "Befreiung" Bolognas durch die päpstlichen Truppen nahm sich ein Kirchenmann namens Christoforo Madrucci des Gauricus an und verschaffte ihm einen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Ferrara. Am 18. Oktober 1507, dem St. Lukastag im kirchlichen Heiligenkalender, hielt er dort seine berühmte Antrittsvorlesung Oratio de inventoribus et astrologiae laudibus. Er gibt darin zunächst eine Definition der Astrologie und ihrer Teilgebiete und geht auf einige Argumente ihrer Gegner ein. Wichtig ist ihm die Nähe der Astrologie zum Christentum. Abschließend behandelt er die Beziehung der Astrologie zur Magie. Bei all diesen Themen versäumt er es nicht, wie es üblich war, weidlich die damaligen astrologischen Autoritäten zu zitieren. Eine lange Reihe bedeutender Astrologen defiliert da vor der Hörerschaft: Guido Bonatto, Alfons X. von Kastilien, Michael Scotus, Heinrich von Sachsen, Peter von Abano, Albertus Magnus, Giovanni di Sacro Busto, Regiomontanus, dessen Lehrer Peuerbach, Georg von Trapezunt, Lucius Bellantius, Paul von Middelburg, Johannes Stöffler, usw. (21)
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Gauricus blieb mindestens drei Jahre in Mantua. Er berichtet nämlich im Tractatus Astrologicus (23) daß er in Mantua Bekanntschaft mit Giovanni de Medici machte. Der damals noch unbedeutende Kardinal verbrachte im Mai 1512 auf der Flucht vor den Franzosen, die ihn bei der Schlacht von Ravenna gefangengenommen hatten, einige Zeit in Mantua. Gauricus vermittelte ihm den Franziskanermönch Fra Serafino, in der Astrologie nicht unbewandert, aber berühmt als Chiromant. Dieser sagte dem Kardinal voraus, er werde in Kürze die Tiara erlangen - eine Vorhersage, die zum Zeitpunkt ihrer Abfassung keinerlei Plausibilität besaß. Ein Jahr später wurde Giovanni de Medici als Papst Leo X. gekrönt. Er zeigte sich dem Chiromanten durch eine größere Summe erkenntlich - der fromme Mann steckte das Geld in den Ausbau und die Renovierung seines Klosters.
Als der Papst erfuhr, daß das Konklave sich für ihn entschieden hatte, soll er ausgerufen haben: Gott hat uns das Papsttum gegeben, so laßt es uns genießen. Auch wenn dieser Ausspruch nicht gesichert ist, so ist er doch passend. Leo X. gab das Geld mit vollen Händen aus - nicht nur für karitative Zwecke, sondern auch zur Förderung der Kunst, besonders der Musik, und nicht zuletzt für ein paar teure Extravaganzen. Als man ihm von Luthers Thesenanschlag erzählte, winkte er gelangweilt ab: Mönchsgezänk. |
Der Papst selbst mied Ausschweifungen und Gelage, hatte aber sein Vergnügen daran, gierigen Fressern und Zechern zuzusehen. Er liebte derbe Scherze und umgab sich mit aus der Gosse aufgelesenen Possenreißern, den sogenannten Buffoni, mit halbverrückten Dichterlingen und Schmarotzern. Ein solcher eingebildeter Poet war Camillus Quernus;
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Lucas Gauricus bringt auch das Horoskop des Camillus Quernus. Der Astrologe erwähnt nicht ohne einen Anflug von Neid, daß der Archipoet monatlich 9 Golddukaten aus den Kassen des Vatikans erhielt und sich jeden Morgen an der Tafel Leos X. den Wanst vollschlagen durfte, was er auch tat, "gefräßiger als ein Bär". Einmal überkam den Papst, als er seinen Dichter bei einem Gelage beobachtete, die Inspiration und nötigte ihn zu folgendem derben Distichon: (25)
Archipoeta facit versus pro mille poetis
Et pro mille aliis Archipoeta bibit.
Etwa im Jahre 1512 muß Gauricus das Reisefieber gepackt haben (vielleicht gefiel ihm auch sein Einkommen in Mantua nicht). Er erwog sogar, nach Paris zu gehen, da die Ultramontanen noch eine hohe Meinung von der Astrologie hätten. In dieser Zeit schrieb er verschiedenen prominenten Persönlichkeiten Italiens und empfahl sich als erfahrener Sterndeuter. Ein solcher Brief an den Kardinal Hyppolitus Estensis (Ippolito d'Este), dem er einen astrologischen Kalender für das folgende Jahr beigefügt hatte, ist von Gabotto veröffentlicht worden (26). Allerdings blieb dieser Brief vermutlich unbeantwortet.
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Effossi fuerunt oculi eius cum stilo ligneo acuto, dum esset in venationibus: sed illos pendentes supra nasum, propriis manibus in suis locis adaptavit, sinister transverso ordine interpositus, eius aciem amisit.
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Natürlich erwartete alle Welt einen Prozeß gegen den Kardinal, der die Tat nicht etwa abstritt. Aber aus politischen Gründen war ein solcher nicht möglich: Der fromme Mann unterstand ja dem kirchlichen Recht, und ein Kirchenprozeß gegen Ippolito hätte weitere Prozesse gegen die Este nach sich gezogen. Aber immerhin war der Kardinal anständig genug, sich zu entschuldigen...
Es ist begreiflich, daß Angela, deren vornehmliches Interesse ja bloß den Augen des Julius gegolten hatte, sich nach diesem Vorfall von ihm abwandte. Bald nach der Geburt des Kindes, das einer Amme übergeben wurde, heiratete sie Alessandro Pio, einen Adligen aus Sassuolo. Der gedemütigte Julius plante natürlich Rache; bei der Vorbereitung des Anschlags ging er aber so behutsam vor, daß das Komplott am 1.1.1506 aufflog. Die Verschwörer wurden verhaftet, gestanden unter der Folter und wurden hingerichtet - bis auf Julius, bei dem man wegen seiner Abstammung Gnade walten ließ. Er wurde im Jahre 1550, nach 45jähriger Haft aus dem Kerker entlassen und starb zehn Jahre später im Alter von 83 Jahren (27).
Bei der Berechnung des Horoskops des unglücklichen Julius ist Gauricus ein Fehler unterlaufen: Er plaziert Saturn in 3° Wassermann statt in 3° Jungfrau. Da er außerdem vermutlich die Geburtszeit korrigiert hat - wie ihrem krummen Wert zu entnehmen ist - ohne daß wir heute nachvollziehen können, auf welche Weise er diese Korrektur durchgeführt hat, ist sein Horoskop mit Vorsicht anzunehmen. Bemerkenswert ist die gradgenaue Konjunktion der Sonne mit dem Fixsternhaufen Praesepe (die Krippe), der traditionell mit Blindheit und Augenleiden in Beziehung gebracht wird. Deutet man ganz klassisch weiter, so kommt man wegen Sonne Quadrat Mars bei Spitze VI auf ein "akutes" Augenleiden - was zweifellos der Wahrheit entspricht! Die Sonne steht in III und ist damit auf Geschwister und Verwandte bezogen. Ein Horoskopvergleich mit dem Bruder zeigt ihre Sonnen in einer - wenn auch ungenauen - Opposition. Die Sonne von Julius steht zudem auf dem Pluto Ippolitos, was gleichzeitig die Bedeutung des Pluto in Ippolitos Horoskop erhellt wie auch dessen Rolle als Schicksalsvollstrecker versinnbildlicht. Zwischen den beiden herrschte ja wahrhaftig das, was man eine schicksalhafte Beziehung nennt! Die Geburtszeit des Ippolito ist mit 1h 50m eine runde Zahl. Das spricht dafür, daß sie nicht korrigiert wurde. Trotzdem scheint sie mir auf ± 5 richtig zu sein, da sie für die Zeit der Bluttat die Direktionen MC convers Opposition Sonne und MC direkt Konjunktion Uranus liefert, die sehr gut darauf passen. Bei solchen ganz äußerlichen Vorgängen wie dem hier geschilderten scheint es eine allgemeine Regel zu sein, daß sie eher durch Direktionen zum MC als zum ASC angezeigt werden. Bemerkenswert ist auch, daß wir zur Tatzeit Mars Konjunktion Saturn in 15° Löwe vorfinden. Mars und Saturn sind bei Julius durch ein Sextil, bei Ippolito durch ein Anderthalbquadrat verbunden. Im Solar des Julius steht Mars in 14° Zwillinge in Konjunktion zum Aszendenten rad, der Saturn auf 5° Löwe nahe der Sonne rad. In Ippolitos Solar haben wir Mars in 15° Fische in Opposition Saturn rad und im bedeutungsvollen III rad, Saturn sol. ist stationär in 25° Krebs.
Wo sich Gauricus in den Jahren 1512 bis 1524 aufhielt, läßt sich nicht genau ermitteln. Jedenfalls war er in dieser Zeit auch in Perugia: Er berichtet, er habe im Jahre 1517 in Perugia das Ende des Gian Paolo Baglioni vorhergesehen, der 1520 in Rom enthauptet wurde.
Vermutlich ab dem Jahre 1522 lebte Gauricus in Venedig. Dort traten zwei Gegenspieler auf den Plan, Matheus Taphurius und Pietro Aretino, die ihm jedoch keinen Schaden zufügen konnten. Hören wir von ihm selbst die Beschreibung des ersteren, die er in seinem Tractatus gibt (28):
Matheus Taphurius
Er war in den mathematischen Wissenschaften wie auch im Lateinischen und Griechischen sehr gewandt. Lange bevor er seinen Verstand verlor, hatte er selbst dies oft vorausgesehen, da Stilbon (Merkur) und Mond sich unter keinem Winkel ansehen (!). Seine üppigen Trinkgelage und Besäufnisse, die er über viele Jahre durchführte, machten ihn stumpfsinnig und seiner selbst vergessen. So konnte er beim Gespräch nicht mehr bei der Sache bleiben, sondern redete wirr. Im Jahre 1525 hatte Lucas Gauricus in Venedig eine Prognostik veröffentlicht, in welcher er dem König von Frankreich, der sich zu jener Zeit mit einem zahlreichen Heer bei Siena aufhielt, vorhersagte, er werde in die Hände seiner Feinde fallen. Matheus sagte genau das Gegenteil voraus - getrieben von dem Verlangen, sich einen Namen zu machen. Er schrieb an die Senatoren Venedigs und schämte sich nicht, den Gauricus falscher Vorhersagen zu bezichtigen. Als sich dann aber Gauricus als der wahre Augur erwies, Matheus Taphurius aber als eitel, da bedrängte er, um nicht nicht dem Gespött preisgegeben zu sein, einen vornehmen Venezianer namens Lorenzo Orio, der gerade zum Botschafter Venedigs am irischen Hofe gewählt worden war, ihn in seinen Begleitzug aufzunehmen. So geschah es, und einige Monate weilte Taphurius am irischen Hofe. Aber Taphurius war dumm genug, den Untergang Karls V. im Laufe der nächsten Monate vorherzusagen. Als einige Monate verstrichen waren, dem Kaiser jedoch nichts Schlimmes passiert war, wurde Taphurius auf Befehl der Königin ins Gefängnis geworfen. Im Kerker verlor er seinen Verstand - er begann Tag und Nacht laut zu rufen. Als später ein gewisser Jacobus, ein reizender und geistreicher Jüngling Irland verließ, nahm er den umnachteten Taphurius mit nach Venedig. Dort verkaufte dieser dem Gauricus eine Kassette mit griechischen und lateinischen Büchern, die bestimmt 50 Dukaten wert waren, für nur fünf Golddukaten. Er machte sich bald darauf auf den Weg zu Bona Sforza, der Herzogin von Bari. Aber bei der Überquerung des Flusses Timavo (nahe Triest) geriet er in einen Streit mit dem Fährmann, dem er seinen Lohn nicht bezahlen wollte. Dieser verletzte ihn am Kopf und stieß ihn ins Wasser. Taphurius schwamm zurück und kam wieder nach Venedig. Von dort begab er sich zu Fuß nach Neapel. Man sagt, daß der Unglückliche dort noch bis 1550 gelebt hat.
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Der zweite Gegner, Pietro Arretino, hielt nichts von der Astrologie und versuchte, den Ruf des Gauricus durch eine beißende Spottschrift Judicio over prognostico zu schädigen, die Ende 1526 erschien. Sie blieb jedoch ohne Einfluß und ist glücklicherweise nur als Fragment erhalten - die Gier, mit der sich heutige Historiker auf alle nur greifbaren antiastrologischen Quellen stürzen, um sich an ihnen zu laben, ließe befürchten, daß sie auch eine solche, auf dem literarischen Niveau unserer heutigen Groschenheftchen befindliche Spottschrift nicht auslassen würden. Tatsächlich wird E. Percopo, dessen Gauricusbiographie immerhin in einem geschichtswissenschaftlichen Journal veröffentlicht wurde, an dieser Stelle unsachlich. Er bedauert, diese Schrift nicht zur Verfügung zu haben: so sei er um das Vergnügen gebracht, einige gesalzene Kommentare zu zitieren...
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Die Königin erinnerte sich des Horoskops und bat Gauricus, der sich mittlerweile in Rom aufhielt, um eine Rektifikation der Geburtszeit. Gauricus blieb bei seinen Aussagen. Er warnte den König, ne circiter unum et quadragesimum aetatis annum vitaret duellum, astra minari vulnus in capite, quod vel coecitatem, vel mortem continuo afferet. Wenn er also um das 41. Lebensjahr nicht ein Duell meide, würden die Sterne eine Kopfverletzung androhen, die ihm Blindheit oder gar den Tod bringen könnte. Brantome berichtet den Fortgang der Ereignisse (30):
Der König fand, daß er in einem Turnier anläßlich eines Zweikampfs sterben sollte. Neben ihm stand der Connetable, zu dem der König sagte: "Sehen Sie, mein Vetter, welcher Tod mir vorhergesagt wird: - "
"Oh, Sire", unterbrach ihn der Connetable, "wollen Sie wirklich diesen Marotten von Lügnern und Großtuern Glauben schenken? Werfen Sie das Zeug doch ins Feuer."
"Mein Vetter", antwortete der König, "weshalb? Manchmal sagen sie doch die Wahrheit. Ich sorge mich nicht mehr um diesen Tod als um irgend einen andern; ja eigentlich zöge ich es vor, von der Hand eines andern getötet zu werden, wenn er nur stark und tapfer ist und ich davon Ruhm ernte."
Und ohne weiter auf das zu hören, was der Connetable sagte, gab er die Prognose Herrn L'Aubespine zur Aufbewahrung, bis er sie wieder von ihm fordern würde.
Im Juni des Jahres 1559 wurden zwei Eheschlüsse gefeiert: Die Ehe der Schwester Margeretha mit dem Herzog Philibert von Savoyen, und die der Tochter Elisabeth mit König Philipp II. von Spanien. Es war üblich, zu einem solchen Anlaß Ritterspiele aufzuführen, die man in Paris in der Straße St. Antoine stattfinden ließ. Am 30. Juni, nach Beendigung des Rennens, bemerkte der König noch zwei ungebrauchte Lanzen. Er befahl dem Grafen Montgommery, dem Kapitän der Garde, sich für ein Turnier mit ihm fertigzumachen. Beim Zusammenprall brachen die Lanzen, ein Splitter drang dem König durch das Visier ins rechte Auge. Der schnell aus Brüssel herbeigeholte berühmte Anatom Andreas Vesalius konnte nicht mehr helfen. Am 10.7.1559 starb der König.
Auch der französiche Seher Nostradamus hatte den Tod vorausgesehen (31):
Le lyon jeune le vieux surmontera,
En champ bellique, par singulier duelle:
Dans cage d'or les yeux luy crevera,
Deux classes une, puis morir, mort cruelle.
Der junge Löwe überwältigt den Alten
auf dem Turnierplatz in Einzelkampf.
Die Augen im goldenen Käfig zerreißt er ihm.
Von zwei Schlägen der eine! Dann stirbt er. Grausamer Tod!
Das im Tractatus veröffentlichte Horoskop des Königs ist auf 5 Uhr Ortszeit berechnet - offenbar noch die unkorrigierte Version. Im Begleittext schreibt Gauricus, si forte superaverit annos 56, 63, 64, ad annos 69, Menses 10, dies 12 facili ac foelici tramite perducetur, verheißt ihm also ein längeres Leben und erwähnt das 41. Lebensjahr nicht. Schon Garcaeus gibt in seinem Speculum astrologicum (nach dem Ereignis erschienen) einen anderen Aszendenten, nämlich 3° Zwillinge. Demnach steht die Gruppe Sonne Venus Mond im Haus XII, und der Mars in II ergibt für ASC direkt Konjunktion Mars einen verdächtig genauen Direktionsbogen von 41 Grad! Möglicherweise ist dieses Horoskop ad maiorem astrologiae gloriam frisiert worden - vielleicht handelt es sich aber auch um die spätere, von Gauricus korrigierte Nativität. Aber eine Vorverlegung der Figur um ganze zwei Stunden ist für eine Korrektur ungewöhnlich. Daß der König von Gauricus eine solche Prognose erhalten hat, ist trotzdem keine Legende. Zwar konnte ich nicht die dem König geschickten Horoskope einsehen, aber in einer Prognostik des Jahres 1553 sieht er für den König nonnihil impedimenti et lachrimulis ex oculo sinistro fluentibus(32).
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Obwohl der Nepotismus Pauls III. möglicherweise noch den seiner Vorgänger übertraf, war er ein beliebter Papst. Wegen der Einberufung des Tridentinischen Konzils gilt er als Vater der Gegenreformation. Er war an Kunst und Literatur überaus interessiert und im Lateinischen gewandt, was er seiner Schulung durch den bekannten Humanisten Pomponius Laetus (1428-1497) verdankte. Der Historiker Leopold von Ranke gibt eine Charakterskizze des Papstes. Er resümiert: Paul III. hatte eine bequeme, prächtige, geräumige Art zu sein (Sonne Venus Fische in I). Seine Sinnesweise war von weit aussehender Berechnung und geheimnisvoller Erwägung, seine Politik höchst bedächtig, aufmerksam, zögernd, abwartend. Ranke führt aus: Dieser Papst fühlte sich, wie es scheint, zwischen tausend widerwärtigen Einwirkungen, nicht allein den irdischen der Welt, sondern auch den überirdischen einer Konfiguration der Gestirne; sein Sinn ist, die Macht der einen wie der anderen zu berücksichtigen, ihrer Ungunst auszuweichen, ihre Gunst zu benutzen, zwischen all den Klippen, die ihm von allen Seiten drohen, geschickt nach dem Ziele zu steuern (33). Das Listig-Hintergründige finden wir neben der Fischebesetzung auch in Merkur Quadrat Mond/Mars, den weltoffenen Literaten sehen wir durch Merkur am Aszendenten in Wassermann angezeigt, das Zielstrebige seines Wesens, das auch in den von ihm überlieferten Porträts zum Ausdruck kommt, hängt gewiß mit Mond Konjunktion Mars Sextil Sonne zusammen. Mond bei Spitze III, dem Haus der Geschwister und Verwandten, hat wie schon beim Borgiapapst mit seiner Vettern- und Günstlingswirtschaft zu tun. Die Bedächtigkeit und das Abwägen der Faktoren, das Ranke beschreibt, ist sehr schön durch die Halbsumme Sonne = Merkur/Saturn ausgedrückt.
Paul III. ist durch seine Bauvorhaben in Rom bekannt: In seinem Pontifikat wurde die Prachtstraße Roms, die Via Giulia erbaut, an welcher auch der Palast der Farnese errichtet wurde. Vor allem aber beauftragte er Michelangelo mit der Bemalung der Sixtinischen Kapelle. Alessandro Farnese hatte eine Schwester, Giulia, die so schön war, daß Papst Alexander VI. in Liebe zu ihr entflammte (Mond Konjunktion Spitze III). Seinen Aufstieg in hohe Kirchenämter soll Alessandro diesem Umstand verdankt haben. Die allegorische Figur der Iustitia auf einem Papstmonument im Petersdom trägt die Züge Giulias. Auf Anordnung eines späteren Papstes wurden ihre nackten Brüste bedeckt.
Bei Paul III. finden wir Merkur Konjunktion ASC in Wassermann. Erinnern wir uns des unglücklichen Matheus Taphurius, so hatte auch er Merkur Konjunktion ASC, allerdings im Gegenzeichen Löwe vor einem ganz anderen Hintergrund. Auch hat der Papst Merkur Quadrat Mond Mars, was seinem Intellekt eine gewisse Streit- und Disputierlust gibt. Sonne und Venus in I in Fische zeigen vielleicht auch den Hang Pauls III. zu den okkulten Wissenschaften. In seiner monumentalen History of Magic and Experimental Sciences widmet Thorndyke diesem Papst ein ganzes Kapitel. Paul III. war auch an der Tagewählerei interessiert - freilich nicht in der extremen Form, wie wir das bei Ludovica Sforza kennengelernt haben. Gauricus berichtet (34), wie er im Jahre 1543 für die Grundsteinlegung eines Gebäudes nahe der Peterskirche den geeigneten Zeitpunkt bestimmte. Die Sterne waren für diese Unternehmung am 18.4.1543 um 10h 43m vormittags besonders günstig. Der genaue Zeitpunkt wurde mit seinem Gehilfen Vincentius Campanatius vor Ort bestimmt: Dieser beobachtete die Sonne mit einem Astrolab und rief mit lauter Stimme eine Art "Countdown" aus. Der anwesende Kardinal Ennius Verulanus, mit einer weißen Stola bekleidet und der Kardinals-Tiara auf dem Kopf, versenkte zum richtigen Zeitpunkt einen polierten Marmorblock im Fundament, der mit dem Siegel des Papstes versehen war.
Unter Paul III. verfaßte Gauricus eine Arbeit Über die Sonnenfinsternis zur Passionszeit (1539), ein eher theologisches als astrologisches Werk. Darin versucht er, die in den Evangelien geschilderten Ereignisse um den Tod Christi mithilfe der Konstellationen, die das Geschehen ja angezeigt haben müssen, zu datieren. Dabei wird auch ein Christushoroskop gestellt. Dies zeigt zugleich den Standpunkt des Gauricus, daß auch der inkarnierte Gott mit den Sternenrhythmen lebte. Von Cardanus, dem Mathematiker und Astrologen, wird oft behauptet, er habe sich Scherereien mit der Inquisition eingehandelt, weil er in seinem Ptolemäuskommentar ein Christushoroskop erstellt hatte. Gerne wird dabei auch auf den Astrologen Cecco d'Ascoli verwiesen, der wegen desselben Unterfangens auf dem Scheiterhaufen geendet habe. Es wird übersehen, daß der wahre Grund für den Prozeß gegen Ascoli eine von diesem herausgegebene Spottschrift war, in der er sich über die Stadträte Florenzens lustig macht. (35) Bei Cardano dürften die Dinge nicht anders gelegen haben. Und die Arbeit des Gauricus zeigt ja, daß Christushoroskope von der Kirche nicht prinzipiell abgelehnt wurden.
Mit dem Tode Pauls III.im Jahre 1550 schien das Terrain für Gauricus in Rom nicht mehr günstig zu sein - jedenfalls kehrte er nach Venedig zurück.
In Venedig verfaßte Gauricus 77jährig seinen Tractatus Astrologicus, die Horoskopsammlung, auf der unsere Betrachtungen basieren. Jedes der 180 Horoskope ist mit einer Kurzbiographie und gelegentlich mit knappen astrologischen Anmerkungen versehen. Päpste, Kardinäle, Schiffbrüchige, Verbrecher (z.B. El Pretino cognominatus vulgus latronum Princeps Maximus), mit Blindheit Geschlagene, grausam zu Tode Gekommene (z.B. ein puer devoratus a lupis famelicis) sind in diesem Werk in friedlicher Eintracht versammelt. Diese Art der Darstellung ist neu und trägt deutlich die Züge der am Anfang dieser Arbeit umrissenen Renaissancezeit.
Gauricus hat für seine Horoskope die Häusertafel des Regiomontanus benutzt, wie man anhand des Tractatus leicht nachrechnen kann. Das dürfte den praktischen Grund gehabt haben, daß die Tabulae directionum des Königsbergers damals die gängigsten Häusertafeln waren. Er hat sich aber in jungen Jahren auch mit dem System des Campanus befaßt und eine kleine Schrift darüber herausgegeben. Sein Eintreten für das campanische Häusersystem muß zeitweilig immerhin so stark gewesen sein, daß später Johannes Schöner eine Neuauflage der regiomontanischen Tafeln um eine Campanus-Häusertabelle ergänzt - auf eine Kritik des Gauricus hin, wie er sagte (36).
Schöner selbst verwendete wie Cardanus und Paris Cesariis das äquale Häusersystem, worüber sich Gauricus im Tractatus lustig macht: Es sei ein System quidam ruraliter, und Cardanus und Schöner würden den Paris darin kopieren. (37). Damit hatte er sich den eitlen, ängstlich um seinen Ruf besorgten Cardanus zum Feinde gemacht. Ebenfalls an seinen Beispielen kann man ersehen, daß Gauricus die geographische Breite auf ganze Grade rundete; er machte sich also nicht die Mühe, den Aszendenten doppelt zu interpolieren.
Gauricus rechnete mit einer Genauigkeit von etwa einem Grad - bei den Häusern hätte er höhere Genauigkeit erreichen können, hat aber darauf verzichtet. Bei den Planeten war ihm höhere Genauigkeit versagt, da die damaligen Planetentheorien nicht mehr hergaben. Trotzdem war er ein exzellenter Astrologe. Weil die Computer es ermöglichen, rechnen viele Astrologen heute auf die Bogensekunde genaue Horoskope. Man sollte sich jedoch bewußt sein, daß die Ausgangsdaten eines Geburtshoroskops meist weit von einer solchen Genauigkeit entfernt sind: Für einen auf die Bogensekunde genauen Aszendenten bräuchte man einen auf 15 Meter genauen Ort! Ein Astrologe, der diese Genauigkeit anstrebt, müßte sich also im Katasteramt der Geburtsstadt einen Plan des Krankenhauses verschaffen und die Position des Kreißsaals bestimmen. Eventuell müßte er noch aus den Archiven des Krankenhauses die Zimmer- oder Saalnummer ermitteln, in der die Mutter niederkam. Wenn man bedenkt, daß schon kleine Städte einen Radius von 4-5 Kilometern haben, ist selbst Bogenminutengenauigkeit bei den Achsen kaum zu erreichen. Abgesehen von der Ortsbestimmung müßte der Mensch seine Geburtszeit auf 1/15 Sekunde genau "wissen". Natürlich läßt sich der Geburtsaugenblick nicht so genau messen, aber man könnte die These des astrologischen Geburtsmoments vertreten, wonach es irgendwann während des etwa viertelstündigen Geburtsvorgangs einen Moment gibt, in dem der neue Mensch sich in den kosmischen Rhythmus "einklinkt". Trotzdem ist es m.E. ein absurder Glaube, das Unbewußte könne sich die Gestirnpositionen dieses Zeitpunkts mit Bogensekundengenauigkeit einprägen, mit einer Genauigkeit also, die in der Astronomie erst die Präzisionsgeräte des 19. Jahrhunderts brachten.(37a)
In der astrologischen Praxis ist eine Genauigkeit von etwa einem Zehntelgrad völlig ausreichend - sowohl für die Radixdeutung wie für die Prognose. Bei Primärdirektionen ergibt das eine Genauigkeit von einem Monat in der Ereigniszeit - mehr kann man nach meiner Einschätzung mit diesem Verfahren sowieso nicht erreichen. Für Solarhoroskope gibt es ein zyklisches Berechnungsverfahren, das den Aszendenten zwar nicht ganz präzise, aber doch auf wenige Grade genau liefert (38). Will man es genauer haben, so braucht man allerdings für die Sonne Bogensekundengenauigkeit.
In der Astrologischen Kollektion von Brandler-Pracht wird ein Direktionsverfahren nach Lucas Gauricus vorgestellt, nach dem dieser seine berühmte Prognose für Heinrich II. erstellt hat. Brandler-Pracht belegt seine Behauptung nicht, etwa durch ein Zitat aus dem Originalhoroskop, das Gauricus der Königsgattin Katharina de Medici übersandte.(39) Das "Verfahren des Gauricus" lautet
DB = A + (A - B) * MDs / HBs. (1)
Dabei bedeuten DB den Direktionsbogen, A die Differenz der geraden, B die der schiefen Aufsteigungen (unter der Polhöhe des Geburtsortes) und MDs, HBs Meridionaldistanz bzw. Halbbogen des Signifikators (Tag- oder Nachtwerte, je nachdem, ob der Signifikator über oder unter dem Horizont steht). Der Bogen wird dann mit dem im 16. Jahrhundert allgemein üblichen Gradschlüssel (=Ptolemäusschlüssel) 1 Grad = 1 Jahr in Ereigniszeit umgewandelt. Eine leichte Rechnung zeigt, daß dies die Führung nach der Halbbogenmethode ist, nämlich
DB = MDp - MDs * HBp / HBs, (2)
das heißt, man führt den Promissor unter die Proportionaldistanz des Signifikators: Wann hat er (Zeit als Bogen auf dem äquator gemessen) dasselbe Verhältnis MD/HB wie letzterer.
Ich habe die Stelle gefunden, auf die sich das Kapitel von Brandler-Pracht bezieht: In den Opera Omnia des Gauricus findet sich unter anderem ein Buch über die Direktionslehre. Dort wird, Folioseite 1301, das obige Verfahren (1) beschrieben, allerdings ohne den Anspruch auf Originalität: Es stamme Ex interpretae Alcabitii Io. de Saxonia, das ist der Pariser Universitätsprofessor Johannes Dank aus Sachsen, der im 14. Jahrhundert lebte und für seine Übersetzung der arabischen Klassiker bekannt war. Die Formel (1) hat ihren Ursprung also bei den Arabern, wie auch Wilhelm Knappich in seiner Geschichte der Häuser- und Direktionssysteme gefunden hat (40). Die äquivalente Halbbogenmethode selbst ist dagegen noch viel älter - es ist das von Ptolemäus im Tetrabiblos gelehrte System, wie man an seinen Beispielen (43) eindeutig erkennen kann, nicht aber an dem vorangehenden, etwas unklaren Text, der eine mathematische Fehlbezeichnung enthält (41). Bei einer geographischen Breite von 30.5° und einer Ekliptikschiefe von etwa 23°45' berechnet Ptolemäus die direkte Direktion der Ekliptikpunkte 0° Widder auf 0° Zwillinge für verschiedene Sternzeiten (270°, 0°, 90°, 45°), um zu zeigen, daß der Direktionsbogen von der Tageszeit abhängt. Als Direktionsbogen erhält er die Werte 45°, 58°, 70°36' und 64°24'. Das sind aufs Grad genau die Bögen, die man auch mit den Formeln (1) oder (2) erhält.
Nun gehört aber das Halbbogen-Direktionssystem organisch zu dem Häusersystem, das erst hundert Jahre nach Gauricus durch den Olivetanermönch Placidus de Titis ausformuliert und tabuliert werden sollte (als Vorläufer, der sein Verfahren aber geheimhielt, nennen Koch und Knappich den Maginus). Nur in diesem System sind die Häuserbegrenzungen durch ihre Proportionaldistanz zum Meridian definiert.
Der Grund, daß dieses Häusersystem erst anderthalb Jahrtausende nach dem zugehörigen Direktionssystem gefunden wurde, ist hauptsächlich rechentechnischer Natur: Da es keine geschlossene trigonometrische Lösungsformel für die Häuserspitzen gibt, muß ein ohne Rechner sehr aufwendiges Iterationsverfahren verwendet werden. Die Tabulation solcher Häuserspitzen war ein mühsames Unterfangen. Vielleicht hat sogar Alcabitius sein eigenes Häusersystem, das auf der Teilung des Halbbogens des Aszendenten beruht, als eine leichter zu berechnende Näherungslösung für die eigentlichen Häuserspitzen mit der richtigen Proportionaldistanz konzipiert. Auf jeden Fall ist die Tatsache, daß bis ins 16. Jahrhundert fast allgemein nach der Halbbogenmethode dirigiert wurde, für klassische Astrologen ein gewichtiges Argument für das von Placidus entwickelte Häusersystem.
Ich will hier aber nicht näher auf die Problematik der Primärdirektionen und die Frage nach dem "richtigen" Zeitschlüssel - falls es so etwas geben sollte - eingehen (41a).
Das Horoskop von Martin Luther, das wir im Tractatus finden, basiert auf einer falschen Geburtszeit. Laut Wilhelm Knappich kann der Streit um das richtige Lutherhoroskop als beendet gelten,... denn im Jahre 1752 konnte der fleißige Lutherbiograph F.S. Keil feststellen, daß Luther selbst sein Geburtsdatum mit 10.11.1483, 12 Uhr nachts (die Mutter sagte zwischen 11 und 12 Uhr nachts) und dazu auch gleich die Konstellationen angegeben habe (42). Die Sachlage ist jedoch nicht so eindeutig wie Knappich es darstellt - es gibt auch für das Geburtsjahr 1484 gute Argumente (42a). Ungeachtet des Streits um das richtige Radixhoroskop Luthers habe ich hier die - möglicherweise bewußt um ein Jahr vordatierte - Figur des Gauricus wiedergegeben, weil sie viele zeitgenössiche Astrologen stark beeindruckt hatte: Die klassischen Planeten sind alle außer Mond und Mars im IX. Haus versammelt, dem die Religion untersteht. Mars steht eigentümlich isoliert in der unteren Horoskophälfte. Das Zeichen Skorpion, das die Planetenhäufung beherbergte, galt als ein übles, ja böses Zeichen. Der riesige Ekliptikbogen vom Aszendenten zu Konjunktion Mars entspricht einem Direktionsbogen von nur 50.8°. Gauricus glaubte, im 51. Lebensjahr sei Luther gestorben und zur Hölle gefahren. Hier sein sehr katholischer Bericht aus dem Tractatus:
Martinus Lutherus Monachus Sancti Augusti Martin war zuerst viele Jahre lang Mönch und lernte, sich mönchisch zu geben. Er heiratete eine Wittenbergische Äbtissin von großem Wuchs und bekam von ihr zwei Kinder. Die Zusammenkunft von fünf Planeten im Zeichen Skorpion im IX. Himmelshause, das die Araber der Religion zuordneten, ist sonderbar und hinreichend erschreckend. Sie machte ihn zum Frevler, zum Ketzer, zum schärfsten Feind der christlichen Religion, und sie machte ihn profan. Bei der Direktion ASC Konjunktion Mars ging der Ungläubige zugrunde. Seine verworfene Seele fuhr zur Hölle, wo sie von Allectus, Tesiphon und Megera mit glühenden Geißeln unaufhörlich gequält wird (44). |
Der Tractatus Astrologicus enthielt eine sachliche Unrichtigkeit, die die Venezianer aufbrachte: Bei der Beschreibung des Stadthoroskops von Venedig hatte er behauptet, die Venezianer hätten bei der Einnahme Paduas am 17.7.1509 die beiden Gelehrten Petrus Trapulinus (philosophus et medicus celeberrimus) und Antonius de Capitibus Vaccae (Antonio Pellegrini) erhängt. Einer der beiden "Erhängten" lebte noch, der andere war lange nach diesem Krieg eines natürlichen Todes gestorben. Die Venezianer, verärgert über den Vorwurf, wollten Gauricus verhaften. Er entzog sich jedoch der Verhaftung durch Flucht, verbrachte zunächst einige Jahre in Bologna und kehrte dann, nach dem Ableben Papst Julius III. nach Rom zurück. Dort starb er am 5.3.1558, eine Woche vor seinem 83. Geburtstag.
Nach dem Tode des Gauricus endete auch die kirchliche Förderung der Astrologie. Schon im folgenden Jahr geriet das gesamte Werk des Gauricus auf die Ehrenliste der verbotenen Bücher, die Papst Paul IV. herausgab. In der Bulle Coeli et terrae creator des Papstes Sixtus V. vom 5.1.1586 wurde die Ausübung der Astrologie vollends verboten - erlaubt war nur noch die sogenannte "natürliche" Astrologie, z.B. die astrologische Wettervorhersage, nicht aber die Vorhersage von Ereignissen, die vom freien Willen des Menschen abhängen. Der Protest der Astrologen, sie würden solche Dinge nie mit Bestimmtheit voraussagen, half ihnen nicht. Die Blütezeit der Astrologie ging ihrem Ende entgegen. Im anbrechenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Zeitalter gab es nur noch wenige Mahner, die zu einem vorsichtigen Urteil über die Astrologie rieten, der prominenteste unter ihnen war Johannes Kepler (1571-1630).
Hier endet mein Streifzug durch die schillernde Zeit der Renaissance. Gerade wegen der Fülle äußerer Ereignisse bietet diese Epoche für die Astrologie reiches Studienmaterial. Astrologische Erfahrung beginnt ja mit dem Sammeln von tausend kleinen Beobachtungen. Erst allmählich rundet sich das Bild und man lernt, die wichtigen von den weniger wichtigen Einzelheiten zu unterscheiden, die Details werden zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Der ganze Vorgang ist sehr individuell, er kann einem nicht durch das Studium der Werke eines Astrologen, der diese Arbeit schon geleistet hat, abgenommen werden. Bei astrologischen Lehrbüchern geht es mir oft so, daß ich Details, Anregungen, bedenkenswerte Ideen finde, den größten Teil des Buches aber nicht annehmen kann. Natürlich ging es mir auch so beim Werk des Lucas Gauricus. Wenn die vorliegende Arbeit bei meinen Leserinnen und Lesern denselben Eindruck hervorruft, wenn sie beim Studium der Horoskope ein paar Körnlein brauchbarer astrologischer Erfahrung finden, hat sie ihren Zweck erfüllt.
Zu den Horoskopen
Natürlich sind alle im Tractatus Astrologicus angegebenen Geburtszeiten fragwürdig: Wie wurde im Mittelalter die Zeit gemessen - wurde sie überhaupt gemessen? Sind manche Zeiten für Berühmtheiten einfach nachträglich dazuerfunden worden (dieser Zweifel gilt zumindest für Intellektuelle und Emporgekommene; für Kinder von Fürsten und Geistlichen kann man im 16. Jahrhundert wohl davon ausgehen, daß die Geburtszeit so gut es ging festgehalten wurde)? Dazu kommt, daß Gauricus einige Horoskope vermutlich rektifiziert hat. In diesem Fall habe ich die Position des Aszendenten als maßgeblich betrachtet und das Horoskop so berechnet, daß der Aszendent mit der Figur des Gauricus übereinstimmt. War dagegen eine glatte Wahre Ortszeit angegeben (d.h. war der Abstand zwischen Meridian und Sonne in Rektaszension ein ganzzahliges Vielfaches von 3°45', dem Äquivalent einer Viertelstunde) und somit das Horoskop wahrscheinlich nicht korrigiert, so habe ich diese der Achsenberechnung zugrundegelegt.
Die Daten stammen aus dem Tractatus Astrologicus des Lucas Gauricus, mit den folgenden Ausnahmen: Cardano und Cocles (gaben ihre Geburtszeit selbst an), Cesare Borgia und Savonarola (aus Alan Leo's "1001 Notable Nativities") und Lucrezia Borgia (Taeger: Internationales Horoskopelexikon).
Ich habe bei Druck- und Rechenfehlern immer das Datum so gewählt, daß die Horoskopfigur die richtige war (bei einigen Horoskopen sind z.B. falsche Jahreszahlen angegeben, die nicht mit den angegebenen Horoskopfiguren übereinstimmen).
(1) Dies berichtet Eugenio Garin, Der Mensch der Renaissance, Frankfurt 1996, S.11f.
(2) Bzovius, Cont. annal. eccl. Baronii, Tom.17, p.556
(2a) Gustav Braunsperger, Beiträge zur Geschichte der Astrologie der Blütezeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, Dissertation, München 1928.
(3) Dieser Meinung ist zum Beispiel Lucas Gauricus
(3a) Siehe v. Bressensdorff, Erfüllte astrologische Zukunftsberechnungen, Zenit Juni 1934.
(4) Erschienen in Basel 1577.
(5) Gemäß der Inschrift auf seinem Grabstein, die sein Lebensalter in Tagen und sein Todesdatum angibt
(6) Jakob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien, Wien 1934, S.376
(7) siehe Frhr v. Klöckler, Kursus der Astrologie, Freiburg 1984, Band II, S.118
(8) Erasmo Pèrcopo: Luca Gaurico, Atti della reale accademia die archeologia, lettere e belle arti, Napoli, XVII(1896),ii,15
(9) Ernst Cassirer, Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance, Leipzig 1927, S.110
(10) Das Copright für diesen Galgenscherz liegt im Original bei Pietro Pomponazzi
(11) Thomas Ring, Astrologische Menschenkunde III, S.267
(12) Cassirer, a.a.O., Leipzig 1927, S.86f.
(13) Machiavelli, zitiert nach Ivan Cloulas, Die Borgias, München 1987, S.333
(14) und, von dort unverändert übernommen, in den "1001 Notable Nativities" des Alan Leo
(15) Horoskop S. 26
(16) August Franzen und Remigius Bäumer, Papstgeschichte, Freiburg i. Br. 1988, S.279
(17) Ivan Cloulas, a.a.O., S. 234f.
(18) Ivan Cloulas, a.a.O., S. 378f.
(19) Ein aufgedunsener Leichnam soll für den Malariatod typisch sein (was die Gifthypothese nicht widerlegt).
(20) E. Pèrcopo, a.a.O. S.15
(21) siehe Thorndyke, History of Magic and Experimental Sciences, Bd. V, S.165-67
(22) nach Thorndyke, a.a.O., Bd. V, S.383
(23) fol. 19
(24) Ludwig Pastor, Geschichte der Päpste, Freiburg 1907, Leo X., S. 405
(25) Tractatus, fol. 19
(26) A. Gabotto, Alcuni appunti per la cronologia della vita die L. Gaurico, Arch. stor. nap. XVII(1892), S.278ff.
(27) Alle Angaben zu dieser Episode habe ich der Biographie Die Borgias von Ivan Cloulas, München 1987, S.440ff. entnommen
(28) fol. 80v
(29) Es ist daher wenig glaubhaft, wenn Frau Gertrud I. Hürlimann in ihrem Astrologiebuch behauptet, der Quincunx habe "nach Kepler Neptuncharakter", da ja auch der Neptun noch nicht entdeckt war.
(29a) A. M. Grimm, Astrologische Aphorismen von Strauch-Leovitius, Warpke-Billerbeck 1954, Nr. 60: Ebenso deutet der vom Monde getrennte, d.h. ihn durch keinen Aspekt anblickende Merkur nur schwache Geisteskräfte an. Kommen noch mehrere nachteilige Momente hinzu, wie z.B. wenn Merkur fremd und in einem fallenden Hause steht, so bedeutet er einen völlig verdorbenen [verschrobenen] Geist.
(30) aus: Otto von Bressensdorf, Erfüllte astrologische Zukunftsberechnungen, Zenit 6/1934, S.227
(31) Zent. I, 35. Quatrain
(32) Gabotto, a.a.O., S.295
(33) L. v. Ranke, Die römischen Päpste, Wien 1934, S. 150ff.
(34) Tractatus Astrologicus, fol. 21v
(35) Wilhelm Knappich, Geschichte der Astrologie, Ffm 1967, S. 167f.
(36) Dies berichtet Thorndyke, History of Magic and Experimental Sciences, V, S.360
(37) Tractatus Astrologicus, fol. 65v.
(37a) Diese Auffassung muß ich mittlerweile
revidieren. Die Erforschung der Horoskope der Mutationskonjunktionen zeigte, daß die
exakten Konjunktionszeitpunkte durchaus astrologische Relevanz haben, worauf mich übrigens
als erster Dr. Alois Treindl nach Lektüre dieser Arbeit im Jahre 1996 hinwies.
(38) Dabei wird eine ungestörte Erdbewegung angenommen, was die Länge Sonne auf 0.5' , d.h. die Sternzeit auf ±3° genau liefert.
(39) Das Beispiel, das Brandler-Pracht dem Kapitel anfügt, enthält gleich mehrere Fehler und ergibt einen völlig falschen Direktionsbogen.
(40) Qualität der Zeit Nr. 38/39, S.92f.
(41) Die Häuserbegrenzung wird als Großkreis bezeichnet, was sie nur für auf dem äquator liegende Geburtsorte ist
(41a) Nähere Informationen über Primärdirektionen enthält mein Buch zum Thema (ISBN: 3925100245, erschienen 1996), das mitterweile vergriffen ist, aber in astrologischen Fach-Antiquariaten noch auffindbar sein könnte.
(42) Wilhelm Knappich, Geschichte der Astrologie, Ffm 1967, S.202.- Knappich irrt jedoch hinsichtlich der Eindeutigkeit der Quellenlage - siehe
Anmerkung (42a)
(42a)Reinhart Staats, Noch einmal: Luthers Geburtsjahr, Blätter für Pfälzische Kirchengschichte und Religionskunde 61, 1994
(43) Claudius Ptolemäus, Die vier Bücher, Kapitel Über die Lebensdauer
(44) Tractatus Astrologicus, fol.69v. In den Basler Opera Omnia fehlen übrigens die letzten drei Sätze!
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